Autorenlesung


Startseite Sonntag, 12. März 2006,
17 Uhr

HANS CHRISTOPH BUCH


liest

»Tanzende Schatten oder Der Zombie bin ich«

2004, Die Andere Bibliothe im Eichborn Verlag



Einladung zum Ausdrucken (PDF, 65 KB)

Hans Christoph Buch ist der Sohn eines Diplomaten. Er wuchs auf in Wetzlar, Wiesbaden, Bonn und Marseille. 1963 machte er in Bonn sein Abitur. Anschließend begann er an der Universität Bonn ein Studium der Germanistik und Slawistik, das er ab 1964 in Berlin fortsetzte. 1967/68 nahm er als Stipendiat am Writers’ Workshop der University of Iowa teil. 1972 promovierte er an der Technischen Universität Berlin bei Walter Höllerer zum Doktor der Philosophie.

Bereits 1963 hatte Buch bei einem Treffen der Gruppe 47 aus eigenen Werken gelesen. Seine frühen Prosaarbeiten zeigen einen Hang zur Groteske. In den Sechzigerjahren stand Buch mit seinen literaturwissenschaftlichen und kritischen Werken unter dem Einfluss der Studentenbewegung und eines undogmatischen Marxismus. In den Siebzigerjahren war er Lektor im Rowohlt-Verlag, für den er die Zeitschrift “Literaturmagazin” herausgab. Später lehrte er als Dozent an verschiedenen Universitäten in Deutschland und den USA. Ausgedehnte Reisen führten ihn nach Kanada, Mexiko, Brasilien und in die Volksrepublik China. Eine besondere Beziehung entwickelte er seit den Achtzigerjahren für den karibischen Raum (Buchs Großvater hatte als Apotheker in Haiti gelebt), der häufig Schauplatz von Buchs Werken ist. In den 1990er Jahren ist er vor allem mit Reportagen aus afrikanischen Krisenregionen hervorgetreten.

Hans Christoph Buch war von 1972 bis 1986 Mitglied des Verbandes Deutscher Schriftsteller und von 1972 bis 1998 des P.E.N.-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland. 1984 wurde ihm in Paris der Titel eines Chevalier des Arts et de la Littérature verliehen. 2004 erhielt er den Preis der Frankfurter Anthologie.


Mit normalen literarischen Techniken ist einem tropischen Paradies, das sich in eine Hölle verwandelt, nicht beizukommen. Deshalb respektiert dieses Buch keine Genre-Grenzen. Es ist Roman, Essay, Reportage, Auto- und Biographie.

Es treten auf: Petit Pierre, Propagandist und Handlanger von Papa Doc Duvalier, Tante Jeanne, Robespierre, eine amerikanische Botschafterin, Napoleon Bonaparte, aufständische Sklaven, mörderische Polizisten, Priester, Huren und Reporter.

Zusammengehalten wird diese liebevolle, grausame Autopsie einer Region der Extreme durch die Überlegungen des Autors, die uns das ferne Phantasma, das Haiti heißt, näher bringen, als es uns lieb sein kann. Denn es sieht ganz so aus, als wiederhole dieses Land die politischen Torheiten und die historischen Illusionen der Metropolen als Karikatur, als Parodie und als blutiger Grand Guignol.


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