Autorenlesung
|
|
Freitag, 26. Juni 2009,
20 Uhr
ANATOL REGNIER
liest
»Frank Wedekind - Eine Männertragödie«
2009, Knaus Verlag
Einladung zum Ausdrucken (PDF, 191
KB)
Anatol Regnier geht es darum, die tragische Zerrissenheit eines Mannes zu zeigen, der das Mirakel Frau entzaubern will und sich dabei oft selbst zum Verhängnis wird. Dabei nutzt er zahlreiche Quellen, die aus dem familiärem Nachlass stammen und nun erstmals veröffentlicht werden. Das macht den Text vor allem für denjenigen zur spannenden Lektüre, der berühmten Menschen gern auch mal intim begegnet. Was er dabei vor allem entdeckt, ist eine Zeitenwende, die wie Wedekind selbst voller Widersprüche und Katastrophen ist.
Frank Wedekind kam 1864 in Hannover zur Welt. Aus Protest gegen Preußen und die Reichs-gründung 1871 übersiedelte die Familie in die Schweiz. Dort hatte Vater Wedekind Schloß Lenzburg gekauft, eine mittelalterliche Burg ohne fließendes Wasser. Hier schrieb Frank seine ersten - und besten - Gedichte. Nach dem Abitur begann Frank ein Jurastudium, brach es aber bald ab und widmete sich ganz der Literatur, dem Schauspiel und dem Kabarett. Wegen Majestätsbeleidigung wurde er sogar eingesperrt. Seine Stücke, die gegen die bürgerliche Scheinmoral polemisierten, erreg-ten öffentliches ärgernis, wurden oft von der Zensur verboten. Frank Wedekind heiratete die Schauspielerin Tilly Newes, mit der er 2 Töchter hatte - es war keine glückliche Ehe. Im März 1918 starb Wedekind nach einer mißglückten Operation.
Wie seine Werke, so wurde auch sein Begräbnis, an dem u.a. die Schriftstellerkollegen Thomas und Heinrich Mann teilnahmen, zu einem gesell-schaftlichen Skandal. Anatol Regnier schildert das Leben seines Großvaters ungemein spannend und reich an neuen Details. So reicht diese Biografie weit über die Lebensbeschreibung des Individuums Frank Wedekind hinaus - sie ist ein farbiger Bilder-bogen einer untergegangenen Welt - der Welt der deutschen Künstlerboheme an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, deren Wirken die Geisteswelt bis heute beeinflusst.
|